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Skaten im südlichen Elsaß
Das Elsass - Der Kurzurlauber verbindet die grenznahe
Provinz Frankreichs in erster Linie mit staubtrockenen Weißweinen,
würzigem Münsterkäse, deftigem Sauerkraut und ausgefeilten Top-Menüs.
Kaum bekannt sind die vielen Möglichkeiten in der flachen Ebene
zwischen Rhein und Vogesen-Gebirge, auf Skates durch einen abwechslungsreichen
Landstrich zu rollen.
Die Elsässer selbst sind bereits auf den Geschmack gekommen.
Obwohl nicht gerade mit dem gut ausgebautem Radwegenetz der deutschen
Seite gesegnet, wird Inlinen auf den vielen abgelegenen Sträßchen
zu einem besonderen Spaß. Speziell im deutlich geringer besiedelten
südlichen Teil des Elsasses ist mancher Orts kaum ein Auto zu
sehen. Vor und nach ausgiebigen Skater-Streifzügen durch grüne,
weite Landschaften kommt der unvermeidliche Café Crème oder Noir
zum Zuge und am Abend das mehrgängige Menü, genussvoll verspeist
in stilvollem Ambiente.
Skater-Trips mit unverbautem Wasserblick
Wer aber gern eigene Wege auf seinen Roller-Skates ziehen möchte,
ohne sich das Terrain mit stinkenden Benzinkutschen teilen zu
müssen, der stößt im südlichen Elsass auf ganz besondere Inliner-Leckerbissen.
Der Nordteil des "Canal de Huningue" ist einer davon. 13
Kilometer frischgeteerter, ebener, kreuzungs- und autofreier
Asphalt begleiten das Ufer einer Schifffahrtsstraße. Direkt von
der Staatsgrenze weg, bis an den Rand der Departement-Hauptstadt
Mulhouse führt dieser Inliner-Parcours.
Idealer Startpunkt für eine Skating-Tour durch eine natur-belassene
Umgebung ist die Schleusenanlage am Rande des Dorfes Niffer.
Das großzügig angelegte Areal um die drei Hebebecken am Eingang
des Kanals bietet bequeme Stellmöglichkeiten für die eigene Karosse.
Die beiden Parkplätze an der großen und kleinen Schleuse entwickeln
sich besonders an den Wochenenden zum Treffpunkt für die Inline-Freunde.
Drei Länder ein Hobby
Dem Ortsunkundigen nicht sofort erkennbar ist der Zugang zur
eigentlichen Inliner-Strecke. Eine rote Fußgänger-Hängebrücke
setzt in leicht gewölbtem Bogen zum Waldrand hin über das südwestliche
Kanalbecken. Nicht gerade skaterfreundlich ist der auf Lücke verlegte
Bohlenuntergrund des Viadukts. Doch der am Ende der Brücke beginnende
glatte Teerweg belohnt die anfänglichen Mühen. Einige schnallen
sich erst dort ihr rollendes Schuhwerk unter - Ängstliche noch
25 Meter weiter am unteren Ende der Brückenrampe. Die Fahrt kann
beginnen.
Doch halt! Wer das erste Mal an den Kanal kommt, sollte sich
ein wenig Zeit nehmen für die Besichtigung der Schleusenanlagen.
13 Kilometer Asphalt unter die Rollen genommen
Jetzt kann's los gehen. Mit Schwung den drei Meter breiten Asphalt
unter die Rollen genommen, wird das Inline-Vergnügen niemand mehr
aufhalten. Rechts Wasser, linker Hand der schattenspendende Harth-Wald,
schlängelt sich die Bahn in seichten Windungen parallel zum Ufer
in Richtung Nordwesten. Über den Kanal hinweg, durch Felder und
Baumreihen aufgelockert, bleibt der Sichtkontakt zu den nahen
Schwarzwaldbergen erhalten. Ebenfalls auf der anderen Uferseite
zählen weiße Tafeln die gefahrene Strecke mit. Sollten die Schuhe
mal drücken oder der erste Hunger kündigt sich an - in regelmäßigen
Abständen tauchen Bänke und Picknick-Tische auf.
Bei Kilometerstand "4" ragt eine Aussichtsplattform über die
Wasserstraße. Leider nur durch einen steinigen Pfad erreichbar,
bietet sie Schutz vor Hitze und Regenschauern und einige schöne
Ausblicke auf die Landschaft. Weiter geht's an Kanalausbuchtungen
vorbei.
Nach rund sieben Kilometern ändert der Kanal seine Richtung nach
Westen. Jetzt führt der Wasserweg von Wäldern umsäumt geradewegs
auf Mulhouse, die Hauptstadt des Departements Haut Rhin, zu. Und
"exactement" am Kilometerschild "13" endet mit dem ersten Haus
die Reise durch das endlos scheinende Grün. Die Häuser der Vororte
von Mulhouse sind erreicht. Da hilft nur abschnallen oder
umkehren.
Zurück auf geheimnisvollen Wegen
Die Rückfahrt wird allerdings nicht dadurch weniger langweilig,
weil die Strecke ja nun schon bekannt ist. Andere Sichtschneisen
tun sich auf. Aber auch andere Routen mit besonderem Flair
zweigen von der Haupttrasse ab. Eine viertel Stunde auf Heimwärtskurs
unmittelbar hinter dem Parkplatz an der Brückenüberführung (rot-weißer
Anstrich) der Departementstraße D-108 führt eine fünf Kilometer
lange geteerte Waldschneise in südöstlicher Richtung zur Landstraße
nach Petit-Landau. Für den öffentlichen Verkehr gesperrt, gleitet
der Liebhaber absoluter Einsamkeit unter einem geschlossenen Blätterdach
durch den "Forêt de la Harth" - am Rand eine ausgediente Bunkeranlage.
Ist die Landstraße erreicht, gibt es zwei Möglichkeiten. Geradeaus
weiter durch den Wald setzt sich der Weg bis Kembs fort.
Links herum nach drei Kilometern Landstraße in Richtung Petit-Landau
kommt der Kanal wieder in Sicht. Es empfiehlt sich, auf der linken
Seite des verkehrsberuhigten Fahrweges zu bleiben. Trotz vorgeschriebener
30 Stundenkilometer hält sich kein Mensch daran. Und Autos, die
von vorn kommen sind leichter einzuschätzen. Wer geradeaus die
Kanalbrücke überquert, kann am Ende der Brückenrampe den separaten
Fahrradweg auf der linken Seite benutzen. Nur fünf Rollminuten
weiter liegt Petit-Landau.
Stützpunkt für Großstadtmüde
Der Ort lädt zum Pause machen ein. Als Stützpunkt für Großstadtmüde
bieten Madame Kaemmerlen oder Madame Esslinger Apartments in ihrem
elsass-typischen Fachwerkhaus für vier bis sechs Personen zu Wochenpreisen
zwischen 300 und 500 Mark. Zum Ausgangspunkt Niffer zurück,
schlängelt sich durch Maisfelder ein zwei Kilometer langer asphaltierter
Wirtschaftsweg. Er beginnt etwas versteckt am Ende der Rue de
l'école, südwestlich der Dorfkirche. In Niffer angekommen, zeigt
das Hinweisschild "Ecluse" den Weg zu den Schleusen. Rund 30
Kilometer beträgt der Rundkurs auf der beschriebenen Strecke.
Die Teilabschnitte sind zu Kurz- und Langtrips beliebig variierbar
und bieten immer wieder neue Kombinationsmöglichkeiten. Auch ein
Abstecher von Petit-Landau zum Chateau de Hombourg wäre denkbar.
Und wie wär's mit einem Besuch beim Club der Roller Skating Dancer
in Thann?
Nicht zu Rundkursen kombinierbar, aber deshalb nicht weniger
ein "Leckerbissen" unter den Skate-Parcouren, ist die Kanal-Strecke
nach Dannemarie - die Fortsetzung des Kanal von Huningue auf
der anderen Seite von Mulhouse. Sie fängt am süd-westlichen Stadtrand
an und führt bis an die Hügellandschaft des Sundgaus. Gleich
hinter dem Bahnhof von Brunstatt jenseits des Gleisübergangs beginnt
diese einmalig schöne, rund 20 Kilometer lange Piste (je
Richtung). Damit gibt es also auch einen idealen Startpunkt für
Zugtouristen.
Kanalparadies für Inline-Romantiker
Spätestens nach den ersten zwei Kilometern wird klar, dass die
Ökologiebefürworter in Paris vor fünf Jahren gut daran getan haben,
das Wassersträßchen nicht zu einer Schiffsautobahn Richtung Mittelmeer
auszubauen. Der Kanal passt sich in die weiche Landschaft ein,
als wäre er schon immer da gewesen. Durch Biegungen und Schleifen
folgt er weitgehend dem Bodenprofil. Kleine Schleusenwerke heben
den Wasserspiegel stetig auf das kontinuierlich ansteigende Landschaftsniveau.
Unvermutet taucht eine Zugbrücke holländischer Bauart auf. Hin
und wieder surrend hochgezogen, gibt sie den Weg frei für Urlaubskapitäne
auf ihren Sportbooten und Yachten. Angler versuchen ihr Glück
an den fischreichen Gewässern.
Das Chateau bei Flaxlanden zieht vorüber. Kleine Orte schmiegen
sich mit ihren Ausläufern an das grünbewachsene Kanalufer. Überdimensioniert
wirkende Dorfkirchen erheben sich über geduckte Ziegeldächer.
Zillisheim, Illfurth, Heidwiller, Eglingen, Hagenbach, Dannemarie
- alles über zwei Jahrhunderte mit dem Kanal gewachsene Örtchen,
bieten sie preisgünstige Möglichkeiten zum Essen und Übernachten
an der beschaulichen Inliner-Strecke.
Illfurth beispielsweise ist Anliegergemeinde der Route de Carpe
Frite. Pannierte und fritierte Karpfen bis zum Abwinken stehen
auf den Speisekarten. Für einen Festpreis darf der Gast so viel
davon essen, wie er will. Nein besser, wie er kann, denn die im
schwimmenden Fett ausgebackenen Fischstücke machen schneller satt,
als der mitgebrachte Hunger erwarten lässt. Gut gestärkt ist die
nächste Etappe ein Kinderspiel.
Heimspiel für verbrauchte Energien
Am Ende der Roll-Tour liegt der Freizeithafen von Dannemarie.
Hier dümpeln zu Wohnschiffen ausgebaute Penichen (kleine Kanal-Kähne)
im stehenden Wasser. Weiter ist der Pfad nicht asphaltiert. Radfahrer
dagegen können den Kurs über die Scheitelhöhe der Burgundischen
Pforte, der Wasserscheide zwischen Nordsee und Mittelmeer, auf
unbefestigten Wegen fortsetzen.
Dieselbe Strecke in entgegengesetzter Richtung, ist bequemer
zu meistern. An den Schleusstufen leicht abschüssig reicht der
Schwung noch eine Weile über den planen Teil zum nächsten Kanalabsatz.
Die Heimfahrt wird zum Heimspiel der verbrauchten Energien. Sozusagen
eine rollende Erholung, wenn nur die Füße immer so lange mithalten
würden.
Für jeden Geschmack das Richtige
Über weitere Sehenswürdigkeiten, Unterkünfte von preiswert bis
nobel und ausgesuchte Restaurants gibt die Touristen-Information
in Mulhouse bereitwillig Auskunft. Sie vermittelt auch
die Telefonnummern der anderen Info-Büros beispielsweise in St.Louis
(Rheinnähe) oder Altkirch im Sundgau. Hilfreich ist ein
eigener Faxanschluss. Dann werden die gewünschten Listen mit Unterkünften
und Wissenswertem ohne großen Aufwand gleich auf den elektronischen
Weg geschickt.
Mit der detaillierten Landkarte Nr. 31 des "Institut Geographique
National" (IGN) im Maßstab 1:100.000 lässt sich das ganze südliche
Elsass erkunden und nach geeigneten Inliner-Strecken durchforsten.
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