|
Im Test: 11 Kindersportwagen für 350 bis 750 Mark.
(3/2001)
Die Kleinen kommen zu kurz
Autokonstrukteure verwenden für gewöhnlich einige Mühe
auf die Gestaltung des Interieurs. Nachholbedarf haben die
Konstrukteure von Kinderwagen. Das Wohl der kleinen Passagiere
kommt zu kurz. Die Sitze der Kinderwagen sind oft zu eng,
die Fußteile zu kurz und die eigentlichen Sitzflächen zu lang.
Gutes Sitzen Fehlanzeige. Unbequem wirds für die Kinder vor
allem im Winter. Dick eingemummelt bleibt in den engen Sportwagen
kaum noch Platz. Orthopädisch richtig wäre etwa folgender
Sitz: 32 bis 35 cm breit und 21 cm lang. Dieses Maß passt
für die meisten Kinder, von sieben Monaten bis etwa drei Jahre.
Rückenlehnen zu niedrig
Die Rückenlehnen sind bei fast allen Sportwagen so niedrig,
dass sich größere Kinder nicht mehr anlehnen können. Selbst
Kleinkinder unter zwei Jahren ragen mit dem Köpfchen über
die Lehne hinaus. Gut sind dagegen die Gurtsysteme. Die Verschlüsse
halten sicher und widerstehen auch neugierigen Kinderhänden.
Haltbar und geländetauglich sind die Sportwagen ohnehin. Hohes
Tempo ist trotzdem tabu.
Nicht zum Joggen
Wenn die Eltern joggen oder skaten, können die Kinderwagen
gefährlich werden. Schwachpunkt Bremsmanöver: Einige Bremshebel
müssen mit beiden Händen gezogen werden, um die volle Wirkung
zu entfalten. Andere sind ungünstig angeordnet und zwingen
die Eltern zu akrobatischen Einlagen. Auch die Idee der Sicherheitsleine
zwischen Skater und Kinderwagen hat Tücken. Im Zweifelsfall
reißen die Eltern den Kinderwagen mit um, wenn sie beim Skaten
stürzen. All das gilt auch für den Baby Jogger. Die dreirädrige
Konstruktion aus den USA wird zwar eigens als Sportgerät verkauft,
ist aber leider ein schlechter Kompromiss. Als Kinderwagen
unbequem, als Sportgerät gefährlich und obendrein teuer. Der
Baby Jogger kostet knapp 900 Mark.
Tipps
- Verstellbarer Schieber. Achten Sie auf einen verstellbaren
Griff. Der Schiebegriff sollte sich auf die Körpergröße
von Mutter und Vater anpassen lassen. Noch besser sind Schwenkschieber:
Hier sitzt der Nachwuchs - je nach Wunsch - mit Blick auf
die Eltern oder mit Blick nach vorn.
- Autotest. Vermessen Sie den Kofferraum Ihres Autos
und achten Sie auf die Öffnung der Kofferraumklappe.
Passt der zusammengeklappte Kinderwagen problemlos hinein?
Achten Sie auch auf eine Arretierung am Kinderwagen, damit
er sich beim Herausheben nicht plötzlich auseinander
faltet.
- Buggy ist leichter. Geländegängige Kinderwagen
sind schwer. Falls Sie den Wagen häufig tragen müssen,
empfiehlt sich ein Buggy. Die sind leichter und billiger
als Sportwagen.
- Buggy ist wendiger. Vorteile hat ein Buggy auch
im Großstadtgewühl. Enge Kaufhaus-, Bus- und
U-Bahn-Zugänge sind mit den leichteren Wagen besser
zu meistern.
Nicht Joggen. Achten Sie auf die Geschwindigkeit. Auch Sportwagen
sind nicht für hohes Tempo gemacht. Der Wagen kann
kippen und die Bremsen sind für joggende Eltern nicht
jederzeit erreichbar.
- Reflektoren nachrüsten. Nur wenige Kinderwagen
werden mit Reflektoren geliefert. Rüsten Sie nach,
wenn Sie oft im Dunkeln unterwegs sind.
- Testsieger. Auch der Testsieger ist nur Mittelmaß:
Quinny Freestyle 4 für 600 Mark. Immerhin sitzt und
liegt der Nachwuchs in diesem Wagen am besten. Kaum schlechter
aber deutlich billiger ist der Knorr Arosa Airlift Outdoor
für 360 Mark. Das bequemste Modell für die Eltern
ist der Teutonia Mistral Country 2001 für stolze 760
Mark. Handhabung gut, das schaffte kein anderer Sportwagen.
|
|