| Auf abgesperrten Strassen durch die Städte sausen - ein
Traum! Ein Traum, den sich Inlineskater nicht nur beim Night-Skaten
erfüllen können, sondern auch bei den Rennen durch
die Städte. Hier starten nicht nur die Topathleten, sondern
Skater jeder Leistungsstufe. Vielen liegt daran, ihre Zeit zu
verbessern oder einfach die großen Städte in der
Gruppe zu durchrollen. Zum ersten Mal durch das Brandenburger
Tor ist für jeden ein Erlebnis. Doch wenn 1000 bis 6000
Skater gleichzeitig durch die Strassen rollen, kann es eng werden.
Wir wollen Euch ein paar Tipps geben, wie Ihr
solche Rennen sicher und mit viel Spaß erleben und sogar
noch Freunde finden könnt. Wichtig sind unsere Ratschläge
nicht nur für die blutigen Anfänger.
Einiges sollten gerade die Sportler beherzigen, die aus einer
anderen Ausdauersportart kommen und nun als Skate-Einsteiger
relativ weit vorne mitfahren. Eure Sportkameraden um Euch
herum erwarten von Euch die Einhaltung bestimmter Regeln.
Der Verlauf eines Strassenrennens unterscheidet sich übrigens
sehr aufgrund der Teilnehmermenge. Sind wenig Starter da,
kommt es für die Skater zu ganz anderen Problemen, als
wenn es zu eng wird.
Doch in allen Rennen fürchtet der Einsteiger die Matten!
Ihr dürft es ruhig glauben, Matten sind überhaupt
nicht gefährlich. In einem Marathon ist mit 6 Matten
zu rechnen, alle 10 km eine, zusätzlich die Halbmarathon-
und die Zielmatte. Es lohnt sich also, sich vorher mit dem
Thema zu beschäftigen.Wie gehts am besten? Auf
keinen Fall springend!!! Springer landen meistens auf dem
mehr oder weniger gut gepolsterten Heck.
Führt besser einen Skate nach vorne, einen nach hinten
- allerdings nicht im Spagat, die Knie sollen schon dicht
zusammen bleiben -senkt Euren Schwerpunkt etwas ab und entlastet
die Vorderrollen. Durch das schräg nach hinten gestellte
Bein könnt Ihr nicht nach hinten fallen. So etwas kann
man übrigens mit Teppichresten prima zuhause üben.
Viel zu wenig hingegen fürchtet der Einsteiger den neben
ihm Skatenden. Denn gerade Anfängergruppen erkennt man
daran, dass sie sich wie Jogger ungeordnet über die ganze
Fahrbahn verteilen.
Nun, gegen ein bisschen Anarchie spricht normalerweise nichts,
doch beim Skaten kann es gefährlich werden. Nebeneinander
verhakeln sich die eigenen Skates beim Abstoß nur zu
leicht mit denen des Nachbarn, was
schnell zu Stürzen führen kann.
Das ist aber nur ein Grund, weswegen es ratsam ist, in Gruppen
hintereinander zu skaten. DieseFahrweise, auch Windschattenfahren
genannt, hat einen weiteren Vorteil, auf den schon der Name
hinweist. Man kann damit wenigstens einen Feind der Geschwindigkeit,
nämlich den Windwiderstand minimieren. Dazu nehmt Ihr
den Rhythmus des Vorderskaters auf. Vorteile: Beim Abstoss
kommt Ihr nicht so leicht mit dessen Beinen ins Gehege, Ihr
könnt dicht genug auffahren und der Windschattenvorteil
wird optimiert. Dabei versucht bitte, zur Seite abzustoßen,
nicht nach hinten. Das ist ohnehin die effektivere Technik
(ein anderes Thema) und Ihr tretet als Dreingabe dem Hintermann
nicht vors Schienbein.
Der Frontskater hat übrigens auch etwas davon, dass
hinter ihm andere lutschen, denn für ihn
ist der saugende Effekt der hinter ihm zusammenschlagenden
Luftmassen geringer.
Um Gefahren von der Gruppe abzuwehren, macht der Führende
auf Hindernisse aufmerksam; die entsprechenden Zeichen sind
von allen bis ans Ende der Schlange weiterzugeben. Leider
gibt es noch keine festen Regeln, aber meistens versteht man
den Sinn von Handbewegungen schon.
Abzuraten ist aber von wildem Handwedeln, das die Gruppe
jedes Mal in Panik versetzt. Ruhige Handzeichen zum Richtungswechsel,
Hinweise auf Löcher im Boden, zu Überholende usw.
sind auf jeden Fall angebracht.
Damit nun nicht jede kleine Geschwindigkeitsänderung
zu wilden Bremsaktionen und anschließenden Sprintübungen
führt, hält jeder Skater bei Verzögerungen
den Abstand zum Vorderen mit den Händen ein. Dazu werden
die flachen Handflächen hinten auf den Po so aufgelegt,
dass der Vordere nicht gesteuert werden kann, also gleichmäßig
links und rechts mit beiden Händen oder mittig mit einer
Hand. Ihr dient auch Eurer eigenen Sicherheit, wenn Ihr den
Vormann darauf aufmerksam macht, dass Ihr auffahrt, insbesondere,
wenn Ihr mit höherer Geschwindigkeit ankommt. Der kann
sich dann darauf einrichten, indem er die Körperspannung
erhöht und eine sichere Position einnimmt. Verboten
sind:
- Alles Anfassen höher als Hüfte,
- Greifen um die Hüften,
- Einseitige Belastungen,
- Festhalten bei Beschleunigungen,
- Festhalten an der Trinkflasche,
- Auffahren in unsicheren Situationen,
- na ja und schubsen sowieso.
Denkt daran: wenn Ihr den Vordermann aus dem Gleichgewicht
bringt und er fällt, dann seid Ihr mit dran.
Das Ganze dient nur dem Abstandhalten, nicht dem Bremsen!
Wenn wirklich Bremsen angesagt ist, bremst jeder für
sich!!!! Besonders vorsichtig sollten Skater mit Bremse sein,
wenn der Vordermann ohne Bremse fährt. Für den ist
es schwer genug, das Tempo zu verringern, der braucht nicht
noch Euch im Nacken!
Wenn Ihr plötzlich merkt, dass Ihr nicht mehr bremsen
könnt und der Vordermann über eine Bremse verfügt,
fragt ihn, ob er Euch mit abbremsen kann. Dann kann der sich
darauf einstellen, von Haltung und Kraftaufwand her. Das können
aber nur erfahrene Skater.
Wer vorne läuft, übernimmt die Führungsarbeit
. Wenn Ihr wisst, dass Ihr in einer Schlange bis zu 40% Kraft
spart, dann wird Euch sicher klar: Die Führungskraft
kann nicht die ganze Zeit ihre Kraft für Euch opfern,
deshalb lässt sie sich rechtzeitig, so lange sie noch
bei Kräften ist, zurückfallen. Natürlich werden
Skater, die Führungsarbeit leisten, gut behandelt und
man lässt sie in die Schlange hinein, wenn sie nicht
ganz nach hinten wollen. Wenn Ihr jetzt die Führung übernommen
habt, schätzt Eure Kraft gut ein, wechselt rechtzeitig
nach hinten, denn es ist nicht leicht, nach dem Wechsel wieder
Anschluss an die Gruppe zu finden. Während Ihr Euch nach
hinten fallen lasst, nehmt Ihr den Rhythmus der Gruppe auf,
bzw. behaltet ihn bei (das gilt auch, wenn man eine Gruppe
überholt). Wenn Ihr nur locker skatet, um auf das Ende
der Schlange zu warten, werdet Ihr eine Überraschung
erleben: Wupps, ist die Gruppe weg, denn sie ist ganz schön
schnell! Ausgepowert jetzt wieder ranfahren??Also rechtzeitig
Tempo aufnehmen, um den Anschluss halten zu können.
Man erlebt immer wieder Leute, die offensichtlich Angst vor
dieser Situation haben und vorne rummeutern, dass sie mal
abgelöst werden wollen. Das ist ihr Problem. Es ist keinesfalls
Eure Verpflichtung, an denen vorbei zu skaten und die Führung
zu übernehmen. Wenn die zu langsam werden, erreichen
sie zwar meistens irgendwann ihr Ziel, weil die Hinterleute
wieder Tempo machen wollen, doch ein für die Gruppe ökonomisches
Verhalten ist das nicht. In einer guten Gruppe wechselt die
Führung regelmässig nach hinten.
Ihr werdet immer wieder erleben, dass sich nach kurzer Zeit
eine tolle Kameradschaft zwischen den zufälligen, einander
meist nie zuvor begegneten Mitgliedern einer Gruppe ergibt.
Das macht auch einen grossen Teil der Attraktivität solcher
Veranstaltungen aus. Man hält zusammen - allerdings nur
bis kurz vor dem Ziel. Dann zerfällt die Gruppe und jeder
versucht, vor dem anderen in das Ziel zu sprinten. Dabei solltet
Ihr abschätzen können, ab wann Ihr Euch einen Alleingang
zutraut. Das geschieht meistens auch völlig fair und
die Kameradschaft wird nicht zerstört - es sei denn,
einer oder mehrere haben alle Arbeit gemacht und die anderen
haben hinten nur auf ihre Chance gelauert, um kurz vor dem
Ziel die Ausgepowerten abzuhängen.
Bei besonders harten Rennen (kleine Gruppen, lange Strecken,
fiese Gegenwinde) sieht man auch immer wieder Gruppen Hand-in-Hand
über die Ziellinie skaten. Das ist meistens auch der
Beginn einer wundervollen Freundschaft. Vielleicht
sieht man sich nur auf den Rennveranstaltungen wieder - aber
man freut sich jedesmal.
For your safety:
Bei allem Ehrgeiz, denkt immer daran, dass Ihr für Eure
Sicherheit selbst verantwortlich seid.
Denkt notfalls auch für andere mit - jeder kann mal
einen Fehler machen - und behaltet die Übersicht. Schätzt
Eure Leistung und Eurer technisches Können realistisch
ein. Dann bringt Skaten in der Gemeinschaft - ob bei Rennen
oder Ausflügen - richtig Spaß und ist (mit ausreichender
Schutzausrüstung) nicht übermäßig gefährlich.
Quelle: skate-in-magazin.de |