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Auch wenn mann/frau nicht die Traum-Formen durchtrainierter
Speedskater aufweisen, so ist ein Inline-Marathon für
den/die ambitionierte Freizeitskater/in kein unüberwindliches
Hindernis.
Voraussetzung sind eine verläßlich-stabile
Kondition (läßt sich auch mit artfremden Sportarten
aufbauen) und ein sicheres Beherrschen der Skates.
Als Megaevent mit anspornendem Nachwirkungseffekt
und wunderbarem Erinnerungspotential sehr zu empfehlen!
Als Ansporn unser Bericht:
Mit schlechtem Gewissen (weil nur mäßig trainiert-
wir hatten in diesem Jahr andere Betätigungsprioritäten...)
trudelten wir freitags in der Hauptstadt ein. Nach einem mentalen
gegenseitigem Aufbautraining bei gesundem blutbildenden Rotwein
schraubten wir 4 - also eigentlich nur der handwerklich begabte
Norbert- unsere Skates fit. Da konnte nix mehr schiefgehen,
die Rollen grollten geschmeidig in den Lagern und stärkten
unser sportliches Selbstbewußstsein. Kirsten und Iris
päppelten dieses noch mit auf der samstäglichen
Sportmesse neu erschnäppten Salomon-Gel-Handschützern
auf.
In einem schmucken Edel-Italiener-Restaurant füllten
wir am Vorabend des großen Ereignisses unsere Energiespeicher
mit Kohlenhydraten (Pizza, Nudeln und Dunkelbier) auf und
diskutierten noch die sinnvollste Anzugsordnung durch.
Weckerlärm- 6.00 Uhr- ist schon recht scheußlich
für einen Sonntagmorgen. GÄHN !
Kalt, müde (der abendliche Schlummertrunk wurde ausgiebigst
zelebriert, die Nerven waren schwer zu bändigen) 0-Durst,
0-Hunger...wir knabberten mühselig an Muffins herum,
spülten mit Kaffee und zum Abschluß gabs lecker
Mineralien-Brause. Dann stolperten wir zur Bushaltestelle.
Die weibliche nervöse Anspannung entschärfte ein
freundlicher Busfahrer mit netter Plauderei und eine letzte
unsportliche ungesunde Zigarette... Neidvoll beobachteten
wir einen flotten-den-Bus-überholenden Speedskater...
Angekommen, Inliner und Rüstung angefriemelt und los
in die Arena der Löwen...
Die Organisation war perfekt, Klamottis in den Zelten abgegeben
und viel Erfolg- drück...bis gleich ;-)
Zur Aufwärmung rollterten wir noch etwas durch die Gegend-
wie tausend andere Sportler von den ca. 8000!! auch...Norbert
reihte sich in seinen etwas schnelleren Startblock ein, wir
Mädels in unseren.
Der Startsprecher verordnete uns noch ein paar Übungen
zum Warmbleiben, erzählte noch ein paar Geschichten,
die aber an uns Aufgeregten völlig abglitten, außerdem
schwätzten wir mit Marc, Melanie, Claudia u. Prisca vom
WVC Kassel und vereinbarten eine "Blockfahrt", die
allerdings schon eine Minute nach dem wilden Start zerbröselte.
Das WVC Team hatte echtes Pech. Nach ca. 10 km stürzte
Prisca (Rippenprellung und Knochenabsplitterung in Schulter)
und etwas später löste sich bei Melanie die Schiene.
Claudia ging schon frühzeitig im Gewimmel unter...Kirsten
blieb standhaft hinter/bei Marc, der seine Zeit vom Vorjahr
um fünf Minuten verbesserte und beide dann mit Super
1:39 die Ziellinie passierten.
Heidi traf ich nach ca. 10 km auf ein kurzes hallo und der
Rest war völlig aus meinem Gesichtsfeld entschwunden.
So flitzen wir jeder separat unser Tempo, versuchten uns wechselweise
an andere "Leittiere" anzuhängen
und landeten auch getrennt im Ziel.
Von den Sehenswürdigkeiten Berlins erwischte ich nur
klitzekleine Splitter, ebenso nur sekündliches Aufmerken
bei dem anfeuerndem Publikum, prallbunter Streckendeko und
Musikgruppen.
Die Zeit verging wie im Rausch. Bei dieser stetig gefüllte
Rennstrecke war vollste Konzentration ein Muß. Es gab
auch unschöne Begegnungen und Rempler mit gestreßten
Ehrgeizlingen, die nicht an einem vorbeikamen, weil es manchmal
auch keine Ausweichmöglichkeiten gab. Also hieß
es aufpassen, auf Vorder- Hinter- und Nebenkämpfer und
die Unebenheiten der Strecke wollten auch sicher passiert
werden. Die Mattenprobleme fand ich nicht so tragisch, wer
Kassels Kopfsteine meistert, der schafft es auch sicher über
die Meßlinien zu kommen. Erstaunlicherweise hatten so
einige Skater in meiner Umgebung Schwierigkeiten beim
Durchfahren der wenigen Kurven, um Zusammenstöße
zu vermeiden war höchste Aufmerksamkeit angesagt. Natürlich
gab es auch einige Unfälle, jedoch hatte ich das Glück
stets genügend Ausweichraum zu haben.
Auf den letzten Kilometern gaben wir noch einmal alles und
ich für meinen Teil stolperte mit letzter Kraft und Ziegendurst
(mein 0,5 l Vitamintrunk war schon nach 20 km alle- die Wasserstellen
umfuhr ich lieber, da sie zusätzliche Unfallgefahren
bedeuten) ins Ziel. Seelig-platt sah ich meine Traumzeit (01:36:50),
traf Norbert und Bernd, schnappte mir Apfelstückchen,
Banane und bereitgestelltes Gatorate und kostete wie alle
anderen meine Glücksgefühle aus. GESCHAFFT!!!!
Nach einiger Zeit gesellten sich auch stolz Kirsten, Heidi
und Yasar zu uns.
Jeder berichtete noch aufgeregt sprudelnd von seinen Erlebnissen
und alle waren superglücklich und zufrieden mit sich
und der Welt. Die Klamottis bekamen wir dann auch nach einiger
Wartezeit an den Zelten zurück und nach kurzem Erfahrungsaustausch
mit den anderen Kasseler Skatern orgelten wir langsam auf
müden Skates durch Berlin zurück, genossen die Strecke
und betrachteten noch so einige bauliche Highlights
von Berlin.
Die Heimfahrt war etwas stiller, geprägt durch gedankenträge
Schlappheit, Kirsten ließ sich aber nicht von uns anstecken,
sondern brachte uns wohlbehalten wieder nach Kassel.
Es wird unser letzter Marathon sein. Sagen wir Weiber zumindest
jetzt noch...
Mal schauen, ob wir uns das nächstes Jahr vielleicht
doch anders überlegen, und (doch) wieder mit Norbert
und den anderen schnellen Teams einen "tollen" Marathon
in Berlin laufen werden.
Alles in allem ein wunderbares gigantisches Supi-Wochenende!!!
(Iris Kroh)
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