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von K.-U. Heldmann

Heiß und gut: Die hr-inline-tour 2003

Die schlechte Nachricht: Sie ist schon wieder Geschichte! Die gute Nachricht: Auch 2004 soll es sie wieder geben!

Mein dritte Teilnahme an einer kompletten Tour und es war die härteste. Die Strecke durch das nordhessische Bergland allein war schon herausfordernd; Originalton eines Müncheners: "Solche Berge skaten wir in Bayern nicht!". Dazu kam eine Sommerhitze mit dem (bislang) wärmsten Tag des Jahres. Immer wieder gut waren die mittäglichen Empfänge in den Tourorten und die abendliche Diskoparties von hr3. Das Feiern gehört zum Skaten zwar dazu, der Abschlussbericht in Main-Tower und Hessenschau allerdings könnte den Eindruck erwecken, es handele sich um eine Ballermann-Bumstour mit Transportetappen auf Inlineskates - das hat mit dem wahren Tourleben wenig zu tun. Es geht noch immer um die Strecke, herausfordernde Anstiege, knackige Abfahrten, genussvolle Flachpassagen, klatschende Zuschauer in den Orten, stille Walddurchfahrten.

Doch von vorne. Diesmal Start am Samstag mit einer Rundfahrt von Hofgeismar durch den Reinhardswald nach Bad Karlshafen und zurück nach Hofgeismar. Übernachtung wie gewohnt in Turnhallen. Neu in diesem Jahr der Frühstückservice von tegut, echt gut!!! An uns wurden jeden Morgen z.B. 75 kg Bananen und 1750 Brötchen verfüttert. Dazu Brot, Äpfel, Mengen von Wurst und Käse, Kaffee, Tee, Saft, Milch, Marmelade, Honig .... einfach toll, was das tegut-Eventteam auf die Tische gebracht hat.

Samstag, 19. Juli

Um 9.00 h Vorstart an der Halle, wie immer mit der unverzichtbaren Kradstaffel der hessischen Polizei, die nicht nur für die Absicherung der Strecke sorgt, sondern uns gelegentlich auch den Berg hinunter bremst oder eine Steigung hinauf zieht. Am Marktplatz das erste und nicht das letzte Mal an diesen Tagen eine Kopfsteinpflasteranlage. Bürgermeister Henner Sattler gibt nicht nur den Startschuss, sondern skatet gleich noch 10 km mit. Im Reinhardswald bekommen wir einen Vorgeschmack auf das, was uns noch so alles erwartet: extrem rauer, Rollen und Bremsen fressender Belag. Danach eine Abfahrt Richtung Karlshafen, dort verliere ich den Rest meines Bremsgummis - jetzt fliegen die Funken.

In Karlshafen ein schönes Pausenambiente an der Weser, aber lange Schlangen bei der Nahrungsversorgung. Der nur für eine Skatemarke ausgerüstete mobile Werkstatt-Service nützt mir nichts. Zum Glück sorgen die gemeinsame Bemühung von Peter und einer Fahrradwerkstatt dafür, dass ich wieder rollenschonend eine Bremse zur Energievernichtung nutzen kann.

Nach dem Essen ein langer Anstieg, anfangs noch im schattigen Wald, dann in der unbarmherzig brennenden Sonne. Danach 2,5 km bergab, wieder auf super-rauhen Asphalt; ich ziehe die Bremse eines Polizeimotorrades meiner eigenen vor. Thorsten, der erst seine Bremse, dann seine Rollen bis auf den Plastikkern abschmiergelt, hat beim mobilen Service auch keinen Erfolg: "K2-Rollen passen nicht auf Salomon", so die sprachlos machende Auskunft.

Zurück in Hofgeismar ein super Empfang durch eine geniale Hamburger Band ("So was haben wir noch nie erlebt; wir spielen auf einem fast leeren Platz und in einer Minute ist er voller gut gelaunter Menschen!").

Als Lockerungsübung für den nächsten Tagen fahren die Tagesskater Natalie, Thorsten und Norbert sowie Meik und ich als Dauerteilnehmer abends nach Fulda, um an der ersten Fuldaer Speednacht (Link: www.speednacht.de) teilzunehmen - man gönnt sich ja sonst nichts!!

Sonntag, 20. Juli

Andi ist über Nacht um ein Jahr gealtert - happy birthday! Als Geschenk gibt es mit 36° C den wärmsten Tag des Jahres und, nach einer kurzen Abfahrt ins Diemeltal, eine Strecke immer schön bergauf. Das hindert uns aber nicht, in der Mittagspause zu Livemusik auf dem, Kopfstein gepflasterten, Marktplatz in Warburg (der erste grenzüberschreitende Abschnitt der hr-Tour nach NRW!) ordentlich auf Tisch und Bänken abzuhotten.

Ohne die Zwischenstopps mit schier unerschöpflichen Vorräten an Hassia-Wasser, -Apfelschorle oder -Fitzelchen wären wir wahrscheinlich ebenso dehydriert wie Lance Armstrong an diesem Tag. Was wir mit den Frankreich-Radfahrern noch gemeinsam haben, sind das braune Streifenmuster und einige raue Asphaltkontakte mit anschließenden "Inlinetatoos" an Beinen, Armen oder als besonders gern gesehener Pizzaarsch an besagter Körperstelle. Die mitfahrenden Johanniter, vor allem die Notärztin, werden des öfteren besucht.

Für den Nachmittag hat Cheforganisator Bernhard Obst eine spontane Entlastung vorgesehen, er kürzt die Strecke um 10 km und die heftigsten Anstiege. Wir fahren direttissima nach Wolfhagen. Dort werden wir auf dem Viehmarkt im Festzelt wie Sieger empfangen, und das sind wir auch alle! Wir bedanken uns mit der längsten Inlinepolonäse durch das Zelt. Die angekündigten Gewitter kommen, nachdem wir unser Turnhallenhotel bezogen haben. Nachts gibt es ein Feuerwerk und am nächsten Morgen lacht uns die Sonne.

Montag, 21. Juli

Start auf dem Marktplatz (Kopfsteinpflaster, diesmal auch noch mit lockerem Gefälle). Mein persönlicher Fanclub hat mich am Vortag schon bei der Einfahrt nach Wolfhagen begrüßt und verabschiedet uns an diesem Morgen wieder (danke, Marina!). Weil in Naumburg an der Straße modelliert wird, fahren wir bis Züschen die aus dem Vorjahr bekannte Route; der geplante Hammeranstieg über vier Kilometer mit bis zu 18% Steigung fällt aus. Hinter Züschen aber ein ebenso langer nur weniger steiler Anstieg mit schöner Abfahrt auf First-Class-Belag ins Edertal.

Zwischenstopp in Bad Wildungen, Marktplatz, Kopfsteinpflaster. Genial und stark frequentiert der kostenlose Massageservice einer örtlichen Schule. Die Abfahrt aus der Innenstadt, zwar kurz, aber sausteil, erhöht die Zahl der Inlinetatoos. Mich erwischt es nun das erste Mal auf einer hr-Tour (wer immer mich von hinten als Notbremse benutzt hat: Es hätte schlimmer kommen können.) Im Kellerwald eine Abfahrt mit Zwangsbremsung für alle, bei 15% Gefälle und scharfer Kurve absolut berechtigt.

Danach über Borken schön kuppiertes Gelände, tolle Landschaft, angenehme Anstiege, herrliche Abfahrten. Trotzdem verlieren wir eine Stunde auf den Zeitplan. Zur Notversorgung mit Bremsgummis einen Zielspurt den Berg hinauf nach Homberg und kurz nach Ladenschluss noch schnell ins Sportgeschäft. Nach Gummi von Salomon baue ich mir nun eines von Rollerblade für meine Powerslidespeedbremse zurecht. Dann auf den Marktplatz, Kopfstein, wie gehabt. Mirko Föster von hr3 hat sich inzwischen auch daran gewöhnt, dass wir nach 60 und mehr Kilometern immer noch mit Energie zum Feiern und uns feiern lassen in der Lage sind.

Abends erst Italiener, dann Discoparty. Danach Turnhalle und nachts Gewitter.

Dienstag, 22. Juli

Zwar hat es nachts die Sicherung am Kaffeeautomaten raus gehauen, trotzdem wieder ein starker Frühstücksservice von tegut. Irgendwie steigern die sich täglich noch etwas, kein Schlange stehen, alles reichlich da - und Kaffee gibt's auch noch rechtzeitig.

Start bei Sonnenschein mit Gymnastik und Ballspielen auf dem Marktplatz und auf geht's es auf die "Kuscheletappe" (Originalton Bernhard). Stimmt, 60 km eher flach. Vormittags zwar noch ein rund 10 km langer Anstieg, aber gegenüber den ersten drei Tagen bei nur 200 Höhenmetern nichts, was uns noch schreckt.

Mittagsstopp in Schwalmstadt-Ziegenhain auf dem Paradeplatz direkt vor dem Knast. Spitzenmäßige Essensversorgung, die Liveband dagegen kommt nicht an. Erst als wir aufbrechen, packen sie die Sachen aus ihrem Repertoire, die uns Beine gemacht hätten.

Der Nachmittag ist noch flacher, relativ gemütlich gleiten wir nach Stadtallendorf. Nach erster Enttäuschung über den etwas spärlich ausgefallenen Empfang dann die große Überraschung: Übernachtung im "Hilton", so Mirko Försters treffender Kommentar zu der Luxussporthalle, die uns erwartet, eine der drei größten in Europa.

Nach Sunset das Preview der neuen, alten "Raumpatrouille Orion" in Kinofassung. Die Tourteenies konnten nicht ganz begreifen, was uns Altjunioren daran so begeistert hat. Ich fands toll, obwohl ich vor Müdigkeit fast von der Bank gefallen bin.

Mittwoch, 23. Juli

Der letzte Tag. Auf in den Vogelsberg. Gesamtsteigung 600 Höhenmeter sagt das ausgeteilte Streckenprofil, 60 km Strecke, die abschließenden Kilometer nur noch bergab.

Es beginnt sanft und locker, dann ein langer Anstieg in das Ohmtal, nicht alle Täler liegen im Tal, manche scheinbar auch auf dem Berg. Aber vielleicht ist das auch nur die Hitze ... auch heute lacht uns die Sonne. Ab Zell, nicht das am See, werden wir erwartet, Streckenschilder, ganze Kindergartengruppen und Dorfbewohner mit Campingstühlen an der Straße, ein "Tour de Hessen"-Feeling. Im Romrod Mittagsstopp im restaurierten Schloss, affengeile Atmosphäre.

Die letzten Kilometer stehen bevor. Wir haben viel Zeit, abends ist um 18 h eine Liveschaltung zu Main-Tower geplant, wir dürfen nicht zu früh einrollen. Eine schöne Abfahrt noch einmal in Zehnergruppen zur letzten Hassiapause. Dort verteilen unsere Frühstücksexperten von tegut tausende handgeschnittene (!) Stücke Wassermelone. Danach der letzte lange Anstieg und eine Abfahrt, bei der es die leider zweite ernsthafte Verletzung der Tour gibt. Zum krönenden Abschluss eine "Autobahn"-Abfahrtspassage nach Lauterbach.

Die Ankunft auf bestem Kopfsteinpflaster (hat das überhaupt noch jemand gemerkt?) auf dem Marktplatz, rauschender Empfang durch Mirko und Nachwuchsmoderator Steffen (ca. 8 Jahre alt) und lautstarke Lauterbacher. Die Ankündigung von Bernhard, es gibt auch eine Tour 2004, dann im Süden und flacher (ich hoffe, im Odenwald, Spessart oder Taunus findet ihr auch noch einige knackige Anstiege!).

Meine persönliche Hitliste:
Schönste Tagesstrecke: von Hofgeismar nach Wolfhagen;
stimmungsvollste Etappenziele: Hofgeismar und Homberg;
gelungenste Mittagspause: Romrod und Warburg;
beste Halle: Stadtallendorf;
genialste Neuerung: tegut Frühstücksservice

Wir sehen uns 2004 auf der nächsten hr-Inline-Tour. Bis dahin bleiben viele Fotos, ein Fernsehbericht am 4. August um 18.30 h im Hessenfernsehen und die Erinnerung an die heiße Tour 2003: rund 430 Dauer- und 200 Tagesskater, fünf Tage Sonne, ca. 300 km, mehr als 2000 Höhenmeter.

Kuddel
Inline Speed Team Kassel e.V.
(26.7.2003)

 
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Fotos von Kuddel
   
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